Einschottern Märklin Spur1 Gleise

einschottern 971 schwellen zwischenraum

Keine Angst vor dem Aufwand !

Über das Einschottern gibt es diverse Beiträge im Internet und in der Literatur. Aus den teilweise abweichenden Empfehlungen habe ich versucht, für mich und die Größenanforderungen bei Spur 1 die richtige Methode abzuleiten.

Folgende wesentliche Punkte haben sich dabei herauskristallisiert:

  • es soll "echter" Schotter verwendet werden
  • die Kosten müssen noch irgendwie erträglich sein
  • die Angst vor Fahrgeräusch-Übertragung auf den Rahmen / die Platte stelle ich (zunächst) zurück

Vorgehensweise zum Einschottern von Modellbahngleisen

Die grundsätzlichen Arbeitsschritte sind in fast allen Veröffentlichungen gleich:

  • Vorbehandeln
  • Einschottern
  • mit Leimgemisch tränken
  • Aushärten lassen
  • Nachbehandeln

Allerdings ist die Reihenfolge einiger Schritte aus meiner Sicht unpraktisch und führt dann auch zu "sterilen" Ergebnissen, die dem Vorbild nicht entsprechen. Dazu mehr an den entsprechenden Stellen bei den einzelnen Schritten.


Gleisunterbau für Spur 1 Gleise

Die Gleise liegen auf 10mm Styropor, dunkelgrau gestrichen. Der Styroporköper ist punktuell mittels Weißleim auf der Rahmenplatte (16mm Span) fixiert. Ebenso sind die Gleise punktuell unter den Schwellen ca alle 10-15cm mit Weißleim fixiert.

Auf Basis dieses Unterbaus bin ich mit den Fahrgeräuschen sehr zufrieden. Es konnte sogar die Lautstärke der Soundmodule auf 50-40% zurückgenommen werden, weil man sonst vor lauter Sound taube Ohren bekommt!
bahnkrper spur1


Einschottern Spur1 Gleise in 6 Schritten

1. Schritt: Vorbehandeln Gleisanschlüsse
Alles, was an Anschlußelementen noch durch den Schotter durchschimmern könnte, mit dunkelgrauer Farbe "tarnen".

Dabei möglichst wenig flüssige Farbe verwenden, sonst werden durch den Kapilareffekt Kontaktstellen unterwandert und in der Leitfähigkeit verschlechtert.

einschottern 963 vorbereiten

2. Schritt: Vorbehandeln Schienenflanken

Die Schienenflanken habe ich bei späteren Einschotterungen vorbehandelt und mit mattbruaner Farbe (Tamiya XF10) mit einem Tuschepinsel eingefärbt. Das kann ruhig großzügig gemacht werden, dann aber Übermalungen der Schienenköpfe nach ca 50cm Bearbeitung sofort mit Pinselreiniger abwischen, bis der Kopf wieder blank ist.

Einfrben Schienenflanken

3. Schritt: Vorbehandeln Gleisböschung
Die Böschungsseiten mit etwas verdünntem Weißleim plus einen Spritzer Spüli vorleimen, damit der Schotter beim Auftragen nicht "die Böschung runter rutscht". Nur so viel Böschung vorbereiten wie man in ca 10min bearbeiten kann - sonst ist der Leim zu trocken und der Schotter bleibt nicht mehr haften. In dieser Baugröße sind ca 80cm eine gut zu bearbeitende Länge.

einschottern 965 vorbehandeln

Variante zur Geräuschdämpfung
Das Vorleimen der Böschungen kann zur Dämpfung der Fahrgeräusche auch mit Latex-Leim (z.B. Fa Heki) erfolgen.
Da dieses Mittel teurer ist als eine selbst gemixte Leim-Wasser-Spüli - Lösung, muß man es nicht zwischen den Schienen und in Bereichen, die keinen direkten Kontakt zum Anlagenunterbau (Rahmen oder Platte) haben, einsetzen.
Dort reicht die hier allgemein beschriebene Methode.

Wichtig:
Nach dem Einschottern der Böschungsseiten diese NICHT mit dem üblichen Leim-Wasser-Gemisch betreufeln. Die Lösung würde dann die Böschung herunterfließen, sich mit dem Untergrund (der Platte) verkleben und alle Bemühungen zur Geräuschdämmung zunichte machen.

latex leim 500


4. Schritt: Schotter aufbringen
Als Schotter habe ich mich für Spur1 - Schotter 2-4mm aus Granit entschieden, bezogen über Ebay
von wtbtschunkert. Nach meiner Hochrechnung benötige ich ca. 15kg, was bei gleichmäßiger Lastverteilung für meinen Unterbau kein Problem darstellt.

Schotter aufbringen geschieht in drei Schritten:

  • zuerst eine Böschungsseite
  • dann die andere Böschungsseite
  • zuletzt in der Gleismitte zwischen den Schwellen

Schotter einfach mit einem Eßlöffel aufschütten. Dabei nicht zu viel aufhäufen, damit die überschüssige Menge nicht dauernd weggebarbeitet werden muß. Der Schotter sollte nicht über die Oberkante der Schwellen hinaus aufgefüllt werden. Vorbildgerecht für den Bereich der deutschen Bahnen ist eine Schotterfüllung von einigen Zentimetern unterhalb der Schwellenoberkante. Im Modell ist das maßstäblich kaum abzubilden, es sollte daher nur leicht füllend geschottert werden - eher etwas zu wenig als etwas zu viel (zu hoch). Die Verteilung bzw. Einarbeitung erfolgt am besten mit einem flachen Borstenpinsel von ungefähr 10mm Breite.

Alles überschüssige Material von der Böschung runterbürsten, zwischen den Gleisen in Richtung "noch aufzufüllen" wegbürsten. Rechtshänder arbeiten sich hier typisch von links nach rechts vor.

einschottern 966 schotterrand aufbringen

einschottern 969 schotterrand einarbeiten

einschottern 971 schwellen zwischenraum


... und hier der kritische Bereich beim 3. Schritt:

Weichenzungen beweglich halten!
Ich habe den Stellmotor wieder abgeschraubt, um ihn beim Einschottern nicht festzuleimen. Nach dem Trocknen wird er wieder angeschraubt und offene Stellen LOSE mit Schotter angefüllt. Der Bereich Stellschwelle wird gar nicht geschottert!
Nach dem Verteilen prüfen, ob sich die Weichenzungen leicht bewegen lassen und nicht an den Schottersteinchen kratzen - sonst nachbessern und ggfs Schotter wegnehmen.

einschottern 970 schwellen in weichen


5. Schritt: Tränken mit Leimgemisch
Als Leimgemisch habe ich die klassische Variante gewählt:

    1 Teil Weißleim
    2 Teile Wasser
    1 Spritzer Spüli
Diese Mischung wird gut aufgerührt (oder geschüttelt) und mittels einer Flasche oder Spritze satt aufgeträufelt.

Ich habe eine transparente Flasche eines Haarfärbemittels verwendet, auf die ich Markierungen für die Mengen aufgebracht habe. Damit läßt sich die richtige Mischung einfachst dosieren. Ausserdem hat die Kanüle noch einen Schraubverschluß, so daß ein Rest auch mal in der Flasche verbleiben kann.

Wenn alles gut getränkt ist benötigt das Ganze ca 2 Tage Ruhe zum Abbinden - und wird wie überall berichtet sehr fest!
Damit für den Fall der Fälle die Gleise nicht ruiniert sind, unbedingt wasserlöslichen Leim verwenden - auf gar keinen Fall wasserfesten!
Sonst bekommt man das Zeug ohne Schaden fürs Gleis nicht wieder runter.
einschottern 972 trnken mit leimgemisch


6. Schritt: Lose Schotterteile entfernen
Wenn alles gut ausgetrocknet ist, mit einem weichen Pinsel den Schotterbereich "abfegen", um lose Teilchen zu entfernen. Da wird bei richtiger Durchführung kaum etwas Abzufegen sein, aber besser ist man entfernt lose Steinchen, bevor sie im Getriebe oder Gestänge einer Lok Schaden anrichten können.
einschottern 976 losen schotter abbrsten

Nach dem "Abfegen" des losen Schotters ist es sinnvoll, mit einem dünnen Messer unter den Rand der Styropor-Isolierung zu fahren, um eventuell vorhandene Verklebungen mit dem Unterdrund zu trennen. Dadurch ist die alte Schall-Isolierung wieder wirksam und Schallbrücken werden vermieden!

isolierung 386 500x


Schienen altern
Zum Altern der Schienen habe ich sehr unterschiedliche Vorgehensweisen gefunden. Falsch finde ich in jedem Fall, die Schienen vor dem Einschottern zu altern. Im Original altern die Schienen auch im eingeschotterten Zustand, was man durch bräunliche Färbung der Schienen, der Befestigungs- und Kleineisenteile sowie im Schienenbereich der Schwellen sieht. Dies ist schlichtweg Rost, Flugrost und Dreck.

Änderung der Vorgehensweise:

Das Einfärben der Schienenflanken habe ich bei späteren Einschotterungen doch vorgezogen, s.a. Schritt 2. Dadurch kann man sparsamer mit der Rosteinfärbung des Gleiskörper per Paintbrush umgehen.

Die Nachbildung soll am besten mit der Airbrush-Methode gelingen - ich hab's versucht.....
.....geht ganz gut, braucht aber etwas Übung und ein altes Stück Gleis zum Probieren.

Bei Vorbehandlung der Schienenflanken mittels Einsprühen habe ich dann doch verzichtet: einfacher und optisch besser ist das Streichen der (sichtbaren) Flanken mit einem Pinsel.

Zum Schluß kann man noch mit ca 20cm Abstand über den ganzen Bahnkörper mit Paintbrush sprühen - das nimmt dem Schotter den sterilen Neueindruck.

Nicht vergessen: die Oberkannte der Schiene und möglichst auch die Innenseite des Schienenkopfes mit Universalverdünner reinigen, d.h. bis auf blank abwischen.
Nach einem Tag noch mal mit feinstem Schmirgel (400er bis 600er) abziehen.

Welche Farbe?
Ich habe zunächst "Rostfarbe" aus
Revell Nr. 9 - Anthrazit, matt und
Revell Nr. 37 - Ziegelrot, matt
gemischt.

Einfacher und dennoch farblich gut passend ist TAMIYA XF-10 Flat Brown, eine Acryl-Harz-Farbe, die sich 1:1 verdünnt mit Acryl-Harz-Verdünner sehr gut mit einer Airbrush-Pistole spritzen lässt.

einschottern 004 airbrush


Die angrenzende Landschaftsfläche
Auch hier habe ich total Unterschiedliches gelesen. Ebenfalls falsch finde ich den Tipp, erst das Grün anzulegen und dann einzuschottern: nicht der Schotter erobert das Grün, sondern das Grün dringt in den Randbereich des Schotters ein!

Also alles an Wegen und Vegetation NACH dem Einschottern anlegen. Dabei ist eine unsaubere Kante zwischen Schotter und dem Grün nur dem Vorbildeindruck dienlich.


Werkzeugüberblick zum Einschottern von Modellbahngleisen

  • Gefäß für Schotter
  • Glas mit Leimmischung zum Vorleimen
  • Eßlöffel
  • Borstenpinsel, flach, ca 10mm
  • Gefäß mit Kanüle zum Tränken mit dem Wasser-Leim-Gemisch
  • weicher Pinsel zum Fegen

einschottern 974 werkzeug


Wie ist nun das Ergbenis zu bewerten ?

  • Die Optik trifft mein Erwartungen schon zu 90%;
    Airbrush ist aber reine Übungssache - bloß nicht einfach drauf los sprühen!

  • Die Fahrgeräusche sind nach Änderung der Methode für die Böschungsschrägen wieder hinreichend gedämpft.
    In diesen Bereichen ist die Verwendung von Latex-Leim sehr zu empfehlen!
  • Stück für Stück vorgegangen ist der Aufwand gar nicht so schlimm - man braucht aber etwas Zeit!
    Von Wochenend-Aktionen "ich schottere jetzt mal eben alles ein" ist dringend abzuraten.

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